Handbalstartpunt

Mark Schmetz im Interview

 

8 juli 2005, door Christian Stein
Bis zuletzt hatten die Spieler des TuSEM Essen auf eine nachträgliche Lizenzerteilung gehofft. Nach dem Scheitern vor dem Schiedsgericht und der endgültigen Rückstufung in die Regionalliga stehen nun die meisten Spieler ohne Vertrag da. Über die derzeitige Situation sprach handball-world.com mit dem niederländischen Nationalspieler Mark Schmetz.
Mark, Anfang Mai hast Du mit dem TuSEM den EHF-Pokal gewonnen. Wie hast Du diesen Moment erlebt?
Mark Schmetz:
Das war ein unglaublicher Moment! Wenn man ein so spannendes Finale in den letzten Sekunden gewinnt ist die Freude natürlich riesengroß. Ich denke dass unsere Mannschaft echt Großes geleistet hat. Wenn man zu so einem Team gehört und zum Erfolg beigetragen hat ist man natürlich sehr stolz. Dafür habe ich mein ganzes Leben hart trainiert und vieles aufgegeben. Jeder Handballer träumt von so einem Erfolg. Ich habe die letzen Spielminuten, und das komplette Spiel, dann auch noch oft angeschaut.
Du bist der erste niederländische Europapokalsieger im Handball. Wie ist der Erfolg in deiner Heimat aufgenommen worden?
Mark Schmetz:
Sehr gut. Das Interesse war sehr groß. Es gab am nächsten Tag viele Anrufe und Anfragen für Interviews. Es ist schon was Besonderes, der Erste zu sein. Ich hoffe dass mein Erfolg anderen Spielern in Holland zeigt dass man auch als Niederländer im Handball was erreichen kann, wenn man nur den Mut hat alles aufs Handball zu setzen.
Wie beurteilst Du die Entwicklung des niederländischen Handballs?
Mark Schmetz:
So langsam wird es besser. Es wechseln immer mehr Spieler ins Ausland, vor allem in die zweite Bundesliga. Das ist eine sehr gute Entwicklung. Man merkt dass die Spieler die ein Jahr oder länger in Deutschland spielen sehr große Fortschritte machen. Davon profitiert natürlich auch die Nationalmannschaft. Die Spieler werden stärker, und können den internationalen Vergleich langsam besser bewältigen. Die niederländische Eredivisie kann von einer starken Nationalmannschaft hoffentlich auf Dauer profitieren. Im Moment ist sie leider nicht so stark.
Die ersten Spieler haben den TuSEM nun schon verlassen und sind bei anderen Vereinen aus der Bundesliga untergekommen. Wie stellt sich für dich im Moment die Situation dar? Gibt es konkrete Angebote von anderen Vereinen?
Mark Schmetz:
Im Moment ist die Situation schwierig weil die Außenpositionen überall schon besetzt sind und nicht viele Vereine die Außenpositionen doppelt besetzten. Mein Spielerberater und ich sind damit beschäftigt so schnell wie möglich einen neuen Verein für mich zu finden. Es gibt einige Anfragen und die werden wir jetzt nachgehen.
Im Gegensatz zu Wallau sind die Spieler in Essen das ganze Jahr über ruhig geblieben und haben dem Verein bis zum Ende die Treue gehalten. Wo siehst Du die Unterschiede zwischen den beiden Fällen?
Mark Schmetz:
Ich kenne die Situation in Wallau nicht und kann die daher auch nicht beurteilen. Wir in Essen waren alle recht zuversichtlich dass es weitergehen würde. Alle Spieler haben an ein gutes Ende geglaubt. Essen war immer ein wirtschaftlich solider Verein. Für uns als Spieler gab es hier keine Probleme. Unser EHF-Pokal-Erfolg war auch ein Grund anzunehmen dass das Umfeld - Stadt und Wirtschaft - den Verein nicht im Stich lassen würde. Außerdem hat der Erfolg auch Lust gemacht auf mehr Erfolge mit dieser Mannschaft. Wir haben uns alle super verstanden und jeder hat sich in Essen wohl gefühlt. Wir hätten als Mannschaft einfach gern noch weiter gemacht.
Kommt für dich auch ein Wechsel ins Ausland oder eine niedrigere Spielklasse in Frage?
Mark Schmetz:
Im Moment kann ich nicht allzu wählerisch sein und muss dann auch alle Möglichkeiten offen halten. Aber am liebsten bliebe ich natürlich in Deutschland in der ersten Liga.
Du hast in diesem Jahr dein Jurastudium beendet. Wie sehen nun deine Planungen neben dem Handball aus?
Mark Schmetz:
Erstmals bin ich froh mein Jurastudium erfolgreich abgeschlossen zu haben. Ich möchte am liebsten noch ein paar Jahre, so lange wie es möglich ist, Handball spielen weil ich das am liebsten tue. Ich möchte mich neben dem Handball noch weiterbilden. Erstens muss ich meine Jura-Kenntnisse frisch halten. Zweitens möchte ich gern auch andere Sachen lernen und machen, vielleicht irgendwann ein Trainerlizenz holen. In meiner Freizeit nur rumhängen ist nichts für mich.
Hast Du als Jurist das Lizenzierungsverfahren mit besonderem Interesse verfolgt?
Mark Schmetz:
Natürlich habe ich das Lizenzierungsverfahren mit großem Interesse verfolgt. Ich war auf dem Laufenden weil Herr Schorn mir Einblick in die Akten gewährt hat. Die genauen Hintergründe kenne ich natürlich nicht. Ich hätte aber auf ein bisschen mehr Solidarität von der Bundesliga gehofft.
Wie lange willst Du noch aktiv Handball spielen und wie sehen deine Pläne nach dem Leistungssport aus?
Mark Schmetz:
Wie gesagt möchte ich so lange wie möglich auf dem höchsten Niveau Handball spielen. Ich habe mich eigentlich noch nicht mit meiner Zukunft nach dem Handball auseinandergesetzt.
Vielen Dank für das Gespräch und viel Glück bei der Vereinssuche.
Handballworld